🏡 Ortsbild
Rettigheim ist ein Ortsteil der Gemeinde Mühlhausen in Baden-Württemberg. Rettigheim liegt circa 20 Kilometer südöstlich von Heidelberg in den Hügeln des Kraichgaus.
⛪ Geschichte
Der Ort wurde im Jahre 788 im Lorscher Codex als Radinchheim erstmals erwähnt und gehörte später zum Kloster Odenheim. Das Bistum Speyer erwarb 1338 mit der Vogtei auch die Grundherrschaft über den Ort. 1546 erlangte es dann alle Herrschaftsrechte. Aufgrund der Zugehörigkeit zu Speyer blieb Rettigheim auch in der Reformationszeit katholisch. 1803 kam Rettigheim zu Baden. Am 1. Januar 1972 wurde Rettigheim nach Mühlhausen eingemeindet.
🏛️ Kirche, Schule & Mehr
Der Ort war kirchlich bis 1870 eine Filialgemeinde von Malsch. Über viele Jahrhunderte mussten die Gläubigen zum Gottesdienst in die Mutterkirche, obwohl bereits spätestens seit dem Spätmittelalter eine kleine Kapelle in der Ortsmitte bezeugt ist, die anfangs vermutlich dem Apostel Jakobus d. Ä. geweiht war. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts ist nur noch der heilige Bischof Nikolaus als Patron genannt, dem auch die heutige Kirche geweiht ist. Seit 1730 durften die Verstorbenen auf dem Kirchhof rund um die Kapelle bestattet werden. 1823/24 wurde die Kapelle abgetragen und durch eine neue geräumige Kirche im spätklassizistischen Stil ersetzt. Baumeister war der Weinbrennerschüler Johann Ferdinand Thierry. Nachdem 1869 ein Pfarrhaus errichtet wurde, konnte ab 1870 der erste Ortspfarrer die neue Pfarrei übernehmen. 1952/53 wurde die Kirche um ein Querhaus mit Chorraum erweitert. Die heutige moderne Gestaltung ist auf die Renovation 1992/94 zurück zuführen. Seit 2009 führt der Jakobsweg Rothenburg o.d.T. nach Speyer an der Kirche vorbei. Ursprünglich war Rettigheim rein landwirtschaftlich geprägt. Bis ins 18. Jahrhundert war der Weinanbau eine der wichtigsten Ertragsquellen. Seit 1870 kam die Tabakverarbeitung als Einnahmequelle auf. Über viele Jahrhunderte waren die wichtigsten Handwerksberufe hier ansässig: Küfer, Weber, Schmied, Schneider, Schreiner und Schuhmacher. Bis 1720 war die Schule in Malsch auch für Rettigheim zuständig. Danach ist ein eigener Schulmeister nachweisbar. 1809 baute man eine neue Volksschule, die 1965 dem neuen Gebäude der heutigen Volksbank für das Angelbachtal weichen musste. Dafür entstand 1966 in der Gartenstrasse ein neues Schulhaus, das heute die Grundschule beherbergt. Die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert überstand der Ort ohne nennenswerte Folgen. Natürlich gab es auch Gefallene und Vermisste zu beklagen. Durch den Zuzug vieler Heimatvertriebener, wuchs die Bevölkerung auf 1.200 im Jahr 1950. Neues Bauland wurde auf dem Hahnenberg unterhalb des Sportplatzes und rund um die Wiesen- und Gartenstrasse erschlossen. Das Gesicht des ursprünglichen Straßendorfes, dessen Mittelpunkt die Ortsmitte rund um die Kirche und das 1995 eingeweihte Gemeindehaus St. Nikolaus ist, veränderte sich nachhaltig. Damals wie heute bilden die Rotenberger-, die Östringer- und die Malscher Straße die Hauptverkehrsstraßen des Ortsteils, der sich in den letzten Jahren auch in Richtung Malsch rund um den Kurpfalzring erneut ausgedehnt hat. Seit dem 01.01.1972 ist Rettigheim nun ein Ortsteil der Gesamtgemeinde Mühlhausen, der auch der Ortsteil Tairnbach angehört.